Mein Kleiner wird drei – und Mutti melancholisch

Sehr gerne erinnere ich mich an die Geburt von meinem Sohn Lukas. Drei Jahre ist das her am 12. Juli. Mein erstes und einziges Kind. Die Niederkunft war schön, völlig problemlos und easy möchte ich sagen. Fast schon zu perfekt. Ich habe nicht gelitten, ich war sogar völlig entspannt. Fast schon untypisch für mich, die immer alles unter Kontrolle haben möchte. Um kurz vor 21 Uhr war es soweit, ich hielt Lukas das erste Mal in den Armen. Er war nicht der Größte mit 50 cm und 3000 Gramm. Eher klein und zart. Und untypisch für ein Emsländer Baby. Hier wird fast erwartet, dass es mit rund 4000 Gramm zur Welt kommt. Für mich war er perfekt. Mein Kleinod, mein Goldstück.

Klein blieb er nicht lange. Er explodierte förmlich. Mit einem Jahr wog er 12 Kilo, jetzt fast 18 Kilo. Er trägt mit knapp Drei schon Gr. 110/116 und bewegt sich in der Durschnittstabelle immer ganz weit oben. Mit 15 Monaten (also recht spät) machte er seine ersten Schritte, heute läuft er mir davon. Den Schnuller legte er schon mit unter 12 Monaten ad acta, alle Zähne hatte er mit knapp Zwei. Den Buggy haben wir seit 1,5 Jahren nicht mehr in Betrieb. Lukas ist ein Energiebündel, motorisch ziemlich weit, das macht es auch nicht immer einfach. Er fordert und möchte gefordert werden.

Mit 13 Monaten kam er in die Krippe. Für mich war das ein ganz schwerer Schritt. Er war ja noch so klein, konnte noch nicht laufen, nicht sprechen… Aber was sollte ich machen? Ich bin selbständig, habe drei Tage nach Entbindung wieder angefangen zu arbeiten. Mein Mann hatte ein Jahr Elternzeit… Also gab es keinen anderen Weg, als Lukas in die Krippe zu geben. Gute 4,5 Stunden am Tag. Ich konnte nicht mehr schlafen vor der Eingewöhnung, machte mir Vorwürfe, haderte mit mir und der Welt. Darf ich als Mutter mein Kind so früh weggeben und anderen anvertrauen? Ja, ich durfte und ich musste – das sagte ich mir immer wieder, denn es hätte auch keine andere Lösung gegeben. Es klappte auch hervorragend, er fühlte sich wohl dort. Also alles gut.

Und jetzt? Jetzt ist die Krippenzeit schon vorbei. Letzten Freitag hatte Lukas seinen letzten Tag in der Bärchengruppe. Und wer hat geheult? Die Mutti. Ich war so emotional, ich konnte gar nicht an mir halten. Ich hatte extra noch einen Kuchen gebacken und Brötchen gekauft, um den Kiddies den letzten Tag in trauter Gemeinsamkeit so schön wie möglich zu machen. Mit Tränen in den Augen fuhr ich zum Kindergarten – und fühlte mich, als ob Lukas morgen ausziehen würde. Er machte noch nicht sein Abitur, er kam jetzt in die Regelgruppe – in die Gruppe, in der Kids von vielen erst mit dem Kindergarten starten. Jetzt ist Lukas nicht mehr einer der Kleinsten im Kindergarten, er kommt jetzt zu den Großen. Vieles wird gleich bleiben, vieles wird sich ändern. Natürlich ist er jetzt wieder einer der Kleinen unter den Großen, er muss lernen, sich durchzusetzen (da mache ich mir bei meinem Drachen aber keine Sorgen), er muss sich in bestehende Gruppen einfinden und Freundschaften schließen. Drei Jungs aus seiner Krippengruppe gehen mit ihm in die neue Gruppe. Sonnengruppe heißt sie. I like.

Soweit so gut. Doch das nächste Drama steht an: Drei Jahre alt wird mein Kleiner am Mittwoch. Und ich drehe am Rad. Drei Jahre sind wie im Fluge vergangen. Er diskutiert mit mir, sein Gesicht hat keine Babyzüge mehr, kein Babyspeck ist mehr da. Lukas ist nicht mehr klein und wird es auch nicht mehr sein. Ich kann mich noch an seine Tritte in meinem Bauch erinnern – und nun tanzt er mir auf der Nase rum. Seit 2 Wochen plane ich seinen Geburtstag. Wieviel Kuchen backe ich (und vor allem welche?), welche Salate mache ich? Wie präsentieren wir ihm seine Geschenke? Wird er sich freuen? Ich weiß, dass ich weinen werde. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Viel zu schnell werden unsere Kleinen groß. Man möchte Zeiten festhalten, möchte die Zeit oft zurückdrehen. An unseren Kindern merken wir, wie schnell alles vergeht. Nächstes Jahr werde ich 40. Das wird auch emotional. In a bad way…

Jetzt wird Mutti erst mal ne Suppe kochen und Tee trinken. Und die Tränen trocknen. Und danach Lachen, denn das Lernen uns die Kleinen perfekt.

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