Hilfe! Mutter sein ist doch gar nicht so schlimm!

Eigentlich wollte ich ja nie so wirklich Mutter werden. Wobei das so auch nicht richtig ist. Sagen wir mal eher so: Ich hatte nie einen ausgeprägten Kinderwunsch. Während andere schon mit 20 sagten, dass sie spätestens mit 30 mindestens zwei Kinder haben möchten, konnte ich mir nicht vorstellen, jemals Mutter zu sein, geschweige denn irgendwann mal mit einem Mann zusammenzuleben oder zu Heiraten. Das war alles noch ganz weit weg.

Mit 35 übrigens auch noch. Zumindest die Punkte „Kinder bekommen“ und „Heiraten“. Mit 25 zog ich mit meinem jetzigen Mann zusammen, das zeigt also, dass ich auch wandelbar bin ;-). Mein Michi, mit dem ich dieses Jahr geschlagene 14 Jahre zusammen sein werde, wollte immer Vater werden. Und mindestens zwei Kinder haben. Wie oft haben wir uns über dieses Thema gestritten bzw. hitzig diskutiert… Für ihn war eine Familie gründen sein Lebenstraum, für mich zu diesem Zeitpunkt ein gefühlter Alptraum. Kinder waren in meinen Augen Virenschleudern, sabbernde Aliens und kleine Nervtöter. Ich bin Einzelkind und war auch nie Kindermädchen. Mein Mann hat drei Geschwister und eine echte Großfamilie mit vielen Tanten, Onkels, Cousins, Cousinen, die alle im direkten Umkreis wohnen. Meine Verwandtschaft weilte viele Hundert Kilometer weit weg. In meinem direkten kleinen Mikrokosmos gab es also nur meine Eltern, meinen Freund, meine Freunde und meine Tiere. Und ich fand es wunderbar. Viel Ruhe. Mit einem Kind würde sich das alles ändern. Ich bin selbständig und da gibt es ja überhaupt niemals den richtigen Zeitpunkt zum Kinderbekommen. Nur alle um mich herum fanden, dass der Zeitpunkt nie günstiger sein könnte. Mein Frauenarzt erzählte mir jedes Mal, dass meine Uhr so langsam mal ticken sollte, denn meine Fruchtbarkeit hätte ihre besten Zeiten schon längst hinter sich. Ich fand den Punkt eigentlich ganz beruhigend.

Meine Eltern aber wollten endlich einen Enkel präsentiert bekommen – und von meinem Mann brauchen wir gar nicht reden. „Alle haben schon Kinder, nur wir nicht!“ Also, ich fand das so ganz prima. Zugegeben. Die Vorstellung, doch noch Mutter zu werden, war gar nicht das, was mich beunruhigte. Ich hatte tierische Angst vor der Schwangerschaft. Eine lange Zeit, in der viel passieren kann. Vieles, das man nicht beeinflussen kann. Und ich bin ein Kontrollfreak. Diese Zeit würde ich aber nicht kontrollieren können und mich auf die Gesetze der Natur verlassen müssen. Horrorvorstellung. Wäre die Schwangerschaft nicht, ich glaube, ich hätte viele Kinder. Naja, okay, das ist übertrieben. Aber zumindest habe ich jetzt ja eines. Yes, i did it. Mit knapp 36 wurde ich also Mutter. Fruchtbar war ich also auch noch. Sehr sogar. Direkt im ersten Zyklus machte es zack. Auch das ein Schock. Selbst mein Frauenarzt konnte es gar nicht so richtig glauben.

Meine Schwangerschaft lief mehr oder weniger problemlos ab, bis auf ein wenig Übelkeit in der Anfangszeit. Eigentlich war es sogar eine sehr sehr schöne Erfahrung. Die Tritte im Bauch fand ich grandios – auch wenn sie manchmal sehr heftig waren. Mein Sohn war immer schon agil. Das haben meine Organe sehr zu spüren bekommen. Auch heute ist er übrigens noch so. Das liebe ich auch so an ihm. Und ja, es stimmt. Nie habe ich so viel Liebe empfunden, wie für mein perfekt unperfektes Kind. Mein Sohn ist mein Leben. Und unser Kind hat meinen Mann und mich irgendwie noch mehr zusammengeschweißt. Wenn ich Michi und Lukas zusammen sehe, sind das mit die glücklichsten und erfülltesten Momente. Vieles ist so unwichtig geworden. Dinge, die einem einst sooo wichtig waren. Sie sind es nicht mehr. Und das ist auch völlig in Ordnung. Und ja, Lukas ist (manchmal) eine Virenschleuder, ein Alien und auch ein Nervtöter. Und ja, manchmal denke ich, ich bekomme das alles nicht unter einen Hut. Und das wird auch noch ein bisschen so bleiben. Aber irgendwie schafft man es doch immer noch. Mütter müssen auch nicht perfekt sein. Wir dürfen Fehler machen, wir dürfen auch zugeben, dass nicht immer alles toll ist und nicht immer alles nach Drehbuch läuft – und deshalb trotzdem keine Rabenmütter sind. Auch wir sind noch Frauen und hadern mit allem. Dass wir uns manchmal wieder etwas mehr Zeit für sich selbst wünschen, dass wir oft mit dunklen Augenrändern rumlaufen und nicht in den Spiegel schauen mögen. Dass wir nicht immer das gleiche Lied in Dauerschleife hören möchten. Dass wir mal wieder das dann machen möchten, wann und wie wir das wollen. Mal keine Rücksicht nehmen. Uffff… Aber dann kommt ein Lächeln, ein Kuschler, ein Küsschen. Und all das, worüber man sich beklagt hat, ist sofort egal. Mein Mann wünscht sich ein zweites Kind, ich werde nächstes Jahr 40. Nope. No Number 2. Sage ich jetzt.

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