Kinder und das Fernsehen: Ich glotz` TV – aber wenn ja, was?

(Klein-)Kinder und TV schauen? Auf keinen Fall! Der Meinung war ich zumindest. Bevor ich Mutter wurde…

In der Schwangerschaft erstellte ich mir im Kopf eine ganze Liste an Dingen, die ich – wenn ich erst mal Mama bin – nicht machen würde. Niemals. Dazu zählte neben „keine Schokolade unter drei Jahren“ unter anderem natürlich auch das berühmt-berüchtigte Thema „kein TV/Handy/Tablet, um das Kind zu beschäftigen/beruhigen/abzulenken“. Das stand sogar fast ganz oben auf der Liste. So der Plan. Ich wollte ja alles richtig machen – so als Mama.

Lustiger weise interessierte sich mein Sohn überhaupt nicht für den Fernseher. Mein Mutterherz freute sich. iPhone, iPad und Laptop hingegen besaßen jedoch eine schier magische Wirkung auf Lukas. Und das bereits mit ein paar Monaten. Aber außer ein paar Bildern und Videos von sich selbst bekam er nichts zu sehen. Bis er drei Jahre alt sein würde. So lautete ja mein besagter Plan. Lukas war ein sehr pflegeleichtes Kind – anfangs. Mit 20 Monaten etwa wurde er anstrengend. Normal sagten die Ärzte. Trotzphase. Super. Ins Restaurant gehen war mit unserem Sohn eigentlich nie so das Problem. Artig saß er am Tisch. Essen liebt er sowieso. Wir auch. Perfekt. Dann auf einmal aber war im Restaurant aller spannender als die Eltern und das Essen am Tisch. Lukas beschwerte sich lauthals, dass er nicht mehr sitzen wolle, sondern lieber rumlaufen. Hatte ich schon erwähnt, dass er ein seeeeeehr lautes Organ hat? Und dass wir in einer Kleinstadt leben, in der quasi jeder jeden kennt? Kurzum: Es wurde mir von Sekunde zu Sekunde peinlicher. Zunächst versuchte ich es noch mit gutem Zureden, Erklärungen und Belohnungsversprechen (ich weiß, auch falsch!). Brachte alles nichts. Meine Schweißperlen wurden immer größer und ich begann, mich bei unseren Tischnachbarn mit „So ist er sonst nicht“ zu entschuldigen (ich weiß, soll man auch nicht! Macht man trotzdem). Ich gehörte früher auch zu der Fraktion, die von brüllenden Kindern in Restaurants richtig genervt war…. Und nun hatte ich selbst so einen „Nervbold“ neben mir sitzen.

Kennt ihr das, wenn ihr das Gefühl habt, jeder guckt euch an und erwartet, dass man das Richtige tut?! Ich wollte nur eine schnelle Lösung. Also tat ich das „Verbotene“. Ich zückte mein iPhone, öffnete Youtube und suchte nach „Bagger-Videos“ (Nein, keine Sorge, es ging nicht ums Anbaggern ;-)). Ich noch geschockt von meiner Planbrechung, bemerkte aber schnell die Ruhe, die mein Kind plötzlich ausstrahlte. Vergnügt schaute er sich einen Bagger-Contest auf einer Bagger-Veranstaltung an. Keiner klatschte Applaus ob der Stille, einige schauten sogar pikiert zu uns herüber. Bestimmt auch Frauen, die später als Mutter alles richtig machen wollen. Ich kenne diese Blicke. Ich habe sie früher auch Mamas zugeworfen, die solch „schlimme Taten“ begangen hatten. Nun gehörte ich auch zu den Schuldigen. Partners in Crime? Die gibt es natürlich auch! Eine Mutter lächelte mir allwissend zu. War das nun eine Absolution? Es fühlte sich auf jeden Fall ein bisschen so an – und es tat gut.

Was ich damit sagen will? Pläne sind schön und gut – und sie sind in etwa sowas wie die Vorhaben am 1. Januar. Meist sind sie nicht lange real. Und vielleicht sind sie auch dafür da, um im Fall der Fälle gebrochen zu werden. Als Mutter muss man manchmal handeln. Und Fehler machen wir alle. Aber was sind schon Fehler? In der Dosierung liegt meiner Meinung nach die Kraft. Von allem – aber nur in Maßen. Was das in Bezug aufs Fernsehen heißt? Lukas, der bald drei wird, schaut mittlerweile natürlich gerne mal TV. Das ist für mich auch in Ordnung, solange er etwas schaut, dass für mich entweder a) pädagogisch wertvoll, b) kindgerecht oder c) einfach nur Tiere zeigt – oder alles drei ;-).

Und was das ist und welche Möglichkeiten ihr auch als Familie habt, „gesund und gut“ TV zu schauen, das erfahrt ihr in den nächsten Blogbeiträgen zum Thema „Ich glotz` TV – aber wenn ja, was?“

Übrigens: Mein Sohn hat auch unter drei Jahren Schokolade gegessen. Ich hoffe, ich komme jetzt nicht in die Hölle. Fegefeuer würde schon reichen.

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